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Information zum Verband der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft e.V. . News . Die Milchwirtschaft auf dem Weg in die Liberalisierung
17.11.2009

Die Milchwirtschaft auf dem Weg in die Liberalisierung

Traditionell waren langfristige Verträge mit Liefer- und Abnahmeverpflichtung in der Milchwirtschaft verbreitet. Die Privaten Unternehmen bildeten mit Ihren Milcherzeugern starke emotionale Bindungen; die Milcherzeuger fühlten sich mit dem Unternehmen verbunden und gehörten zur Familie. Preisverhandlungen basierten auf einem Grundpreis, der je nach Ertrag über Zuschläge und eine Nachzahlung angepasst wurde. Seit 1984 war die Menge durch die Quote fixiert, davor wurden die Überschüsse in die Intervention verkauft.

Heute wollen die Milcherzeuger ihre Milch verkaufen und nicht liefern. Das gute und auf Langfristigkeit ausgelegte Verhältnis zwischen Milcherzeuger und Unternehmen wurde mit einem schlechten Beigeschmack versehen und seit dem steht die Kündigung des Liefervertrags im Mittelpunkt vieler Verhandlungen. So gerät die Vertragslaufzeit in den Konflikt zwischen Sicherheit und Flexibilität. Die Regulierung der Menge soll zukünftig in Erzeugerhand und der Milchpreis soll nach Erzeugerbedarf verhandelt werden. Die neue Studie der Georg August Universität von Prof. Dr A. Spiller / M. Sc. S. Schlecht belegt, was bundesweit zu spüren ist. Besonders Großbetriebe wechseln häufiger, fordern unterjährige Preisverhandlungen und nutzen die Kündigung als Druckmittel. Langfristige Bindungen und die traditionellen Vertragsgestaltungen widersprechen der bevorzugten Vertragslaufzeit von 1-2 Jahren. Zudem hat die Flexibilität der Menge einen hohen Stellenwert, ebenso wie die Milchpreisbildung.


Vertragsbestandteile

Der Milchkaufvertrag regelt neben einigen Formalien vor allem den Preis, die Vertragsdauer bzw. die Kündigung und die Sanktionsmechanismen. Sonstiges, wie zum Beispiel die Qualität, die gesetzlichen Bestimmungen, die Regelung der Abholung, etc. sind im Vertrag oder evtl. in einer Lieferverordnung verankert. Die Menge der Milch wir aktuell über die Quote fixiert. Das Auslaufen der Quote in 2015 bewirkt eine große Unsicherheit bei den Milcherzeugern und in den Unternehmen. <> beschäftigt die Beteiligten, lässt Misstrauen aufkommen und gibt Raum für leidenschaftliche Diskussionen.

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Die Milchpreisfindung - eine der Kerngrößen der Branche

Starke Schwankungen der Erträge aus unterschiedlichen Nettoverwertungen, neue rechtliche und technische Möglichkeiten der Molkereien sowie eine höhere Anzahl an Milchkäufern erschweren die Milchpreisfindung. Das angeschlagene Vertrauensverhältnis zwischen den Vertragspartnern und die starken Schwan-kungen am Milchmarkt erzwingen flexible Regulative zur Absicherung des Milchpreises. Problematisch ist zum Beispiel ein Vergleichspreis mit ausgewählten Molkereiunternehmen, der um einen Betrag x überzahlt wird. So schrauben sich die Auszahlungspreise – vor allem wenn sich die Unternehmen untereinander vergleichen - nach oben, abgekoppelt vom betriebswirtschaftlichen Ergebnis. Das gefährdet letztlich alle Vertragspartner. Milchpreissysteme müssen zukunftsfähig sein und sich an dem betriebswirtschaftlichen Ergebnis des Mol-kereiunternehmens orientieren.


Die Regulierung der Menge steht derzeit im Mittelpunkt der Diskussion

A/B Modell
Für eine bestimmte Liefermenge wird ein fester Preis fixiert. Gleichzeitig wird dem Milcherzeuger die Möglichkeit gegeben, diese feste Liefermenge zu über-schreiten, aber zu einem niedrigeren Preis.

Closed shop
Dieses Modell eignet sich für Genossenschaftsmolkereien. Die komplette erzeug-te Milchmenge der Mitglieder wird abgenommen – ohne Mengenbeschränkung. Bei Bedarf kann zusätzliche Milch über den Spotmarkt oder von Vertragslieferan-ten bezogen werden.

„Fonterra-Modell“
Bei der neuseeländischen Großmolkerei Fonterra ist eine Erhöhung der Milchan-lieferung durch den einzelnen Milcherzeuger verbunden mit der Zeichnung weite-rer Genossenschaftsanteile.

Schweizer Modell
Seit Mai 2009 ist die Milchquote in der Schweiz abgeschafft. Alle Pläne die Milchanlieferung der Milchbauern privatrechtlich zu steuern, sind bislang geschei-tert.

Cooperatives Working Together (CWT)
Das CWT hat nicht direkten Einfluss auf die einzelbetriebliche Produktionsmenge oder den Milchpreis einer speziellen Molkerei. Das von den amerikanischen Mol-kereigenossenschaften initiierte freiwillige CWT-Programm sieht im Wesentlichen den Herauskauf von Milchkühen und Färsen zur Stabilisierung des Milchmarktes und damit der Milcherzeugerpreise vor. Getragen wird die Aktion vom Milchbau-ernverband (NMPF), finanziert über eine freiwillige Abgabe in Höhe von 0,17 Cent/kg.

Kanadisches Model
Das kanadische Modell basiert im Wesentlichen auf drei Säulen: starker Außen-schutz, Milchquotenmenge bis zu nahezu 100 % auf die Nachfragemenge abge-stimmt, sowie einem halbstaatlichen Preisfestsetzungssystem, an dem sich die Molkereien zu orientieren haben.

Alle diese Modelle verfolgen die Idee, die Menge zu planen. Es wird jedoch nach dem Auslaufen der Quote in 2015 kein einheitliches Modell in der EU, in D oder BY geben und die jeweilige Quote des Erzeugerbetriebs hat keinen Einfluss auf die zukünftige Liefermenge. Der Milchkaufvertrag kann kein Ersatz für die Quote sein, sondern wird einzelbetrieblich oder auf den Ebenen der Milcherzeugerge-meinschaften oder der Liefergenossenschaften die Handhabe der Anlieferungs-menge individuell regeln – oder eben nicht.

Vertragslaufzeit
Je nach Marktlage sind Milcherzeuger und Molkereien an unterschiedlichen Ver-tragslaufzeiten interessiert. Vertragslaufzeit und Milchpreisbildung beeinflussen sich gegenseitig. Die Philosophie des einzelnen Unternehmers prägt die Präfe-renzen bei der Vertragsdauer.

Sanktionen zur Einhaltung des Vertrags
Für den Fall, dass einer den beiden Vertragspartner die festgehaltenen Regeln nicht einhält, werden Sanktionen vereinbart. Aus Gründen der Gerechtigkeit müssen diese auch tatsächlich verhängt und angewendet werden. Eine neue Herausforderung in der Zusammenarbeit zwischen den Vertragspartnern.

Ausblick

Weder Milcherzeuger noch Molkereien sind in der Entwicklung stehen geblieben. Zur Erarbeitung zukunftsfähiger Lieferbeziehungen ist es zwingend notwendig, das gegenseitige Vertrauen wieder herzustellen und sachlich zusammenzuarbei-ten. Die aktuelle Beschlusslage der EU-Kommission ist die Ausgangslage für die Ausrichtung der Milchwirtschaft in die Zukunft. Der Weltmarkt, das Verbraucher-verhalten und ebenso Klimakatastrophen haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Chancen und Risiken des Milchmarktes. Nur eine umfassende Kenntnis die-ser Rahmenbedingungen ermöglicht eine sachliche Auseinandersetzung und damit die eigene Weiterentwicklung sowie die des Milchstandorts Deutschland. Desinformation und plakative Parolen helfen hier nicht weiter, sondern schüren Ängste. Das Auslaufen der Quote darf nicht als Schreckgespenst missbraucht werden, sondern muss als Meilenstein gelten, an dem die Marktwirtschaft auch in der Milchwirtschaft Einzug hält. Bei den anderen Agrarprodukten ist dies schon längst der Fall und hat nicht dazu geführt, dass ein Produktionszweig ver-schwunden ist.

Alle mittel und langfristigen Prognosen weisen guten Chancen für den Milch-standort Deutschland aus. Die Schwierigkeiten, mit der Liberalisierung des Milchmarktes zurechtzukommen, müssen von allen Beteiligten getragen und überwunden werden. Besonders die Schwankungen der Erträge stellen die Un-ternehmen auf den Prüfstand. Milchwirtschaftliche Unternehmer, mit einer fun-dierten Ausbildung und professionellen Betriebsabläufen werden diese Heraus-forderungen meistern. Die privaten Molkereien sind sich ihrer Verantwortung ge-genüber den Milcherzeugern bewusst und werden ihren Teil dazu beitragen, dass die Chancen der Liberalisierung des Milchmarktes optimal genutzt werden.

München, November 2009, Susanne Nüssel