VBPM - Intern

12.06.08 Pressemitteilung

Dialog statt Zwangsmaßnahmen: Bayerische Private Milchwirtschaft warnt vor erneuten Boykotten


München, 12. Juni 2008 – Die Bayerische Private Milchwirtschaft reagiert mit Un-verständnis auf die Androhung erneuter Lieferboykotte. „Zwangsmaßnahmen sind der falsche Weg! Sie gefährden die Existenz von Unternehmen und Erzeu-gern, die bereits durch die Lieferboykotte und Blockaden im Mai und Juni dieses Jahres einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden erlitten haben. Auch die flächendeckende Versorgung der Verbraucher mit Milch und Milchprodukten aus heimischer Erzeugung würde erneut gefährdet. Gleichzeitig erleichtert eine zwei-te Boykottphase internationalen Wettbewerbern den Markteintritt und auch dies kann gravierende wirtschaftliche Konsequenzen für Molkereiunternehmen und Milcherzeuger haben“, warnt Ulrich Kraut, Präsident des VBPM.

Auf positiven Signalen aufbauen

Die angekündigte bzw. bereits erfolgte Anhebung der Preise für Trinkmilch und Butter durch einzelne Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels sind ein ers-tes positives Signal. Aktuell führen die Vertreter der Molkereibetriebe intensive Gespräche mit den Handelsunternehmen mit dem Ziel, auch für andere Milchprodukte wie zum Beispiel Käse höhere Preise zu erreichen. Die erzielten Verbesserungen bei den Erlösen werden wie in der Vergangenheit an die Milcherzeuger unverzüglich weitergegeben. Denn die privaten Molkereiunternehmen und Erzeuger verbindet das Interesse, die Milch zu den bestmöglichsten Konditionen zu vermarkten und dabei die schwierige wirtschaftliche Situation der Erzeuger zu verbessern.

Die Molkereiunternehmen können jedoch nur den Milchpreis ausbezahlen, den sie selbst am Markt erzielen. Vor diesem Hintergrund ist ein einheitlicher Basispreis über alle Verwertungslinien nicht einzuhalten. Die Forderung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter e. V. (BDM), für das Jahr 2008 pauschal mindestens 43 Cent/l Milch als Basispreis an die Milcherzeuger auszuzahlen, ist nicht an den Realitäten des europäischen Marktgeschehens orientiert. So bemisst sich der Milchauszahlungspreis unter anderem daran, welche Preise die Molkereiunternehmen – denn nur diese sind Vertragspartner – in den Verhandlungen mit den Abnehmern (deutscher Lebensmitteleinzelhandel, Industrie- und Exportkunden) durchsetzen können. Ein mit 43 Cent/kg garantierter Durchschnittspreis für 2008 läge mehr als 28 Prozent über dem Ergebnis in Bayern aus dem Jahr 2007 (34,93 Cent/kg für Milch mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß; zum Vergleich: 28,70 Cent/kg in 2006). Die bisher erreichten Preiserhöhungen, die in Deutschland ca. 17 % der verarbeiteten Milch betreffen, reichen bei Weitem nicht aus, die geforderten 43 Cent/kg zu erzielen. Hinzu kommt, dass nach geltendem Kartellrecht Preisabsprachen generell unzulässig sind.

„Die bayerische Auszahlungsleistung im 1. Halbjahr 2008 übertrifft den durch-schnittlichen Auszahlungspreis von 2007 deutlich“, erläutert Susanne Nüssel, Geschäftsführerin des VBPM.

Für einen insgesamt höheren Abgabepreis ist es wesentliche Voraussetzung, dass nicht nur die ca. 40 % der erzeugten Milch, die über den Lebensmittelein-zelhandel vermarktet werden, von Preiserhöhungen betroffen sind. Auch die wei-teren 60 %, die über den Export und an die Industrie vermarktet werden, bedür-fen einer Preisanpassung. Im zweiten Halbjahr 2008 zeichnen sich unter ande-rem infolge geräumter Lager höhere Erlöse ab.

Lösungen im Dialog entwickeln

Vor dem Hintergrund des gemeinsamen Interesses von Molkereiunternehmen und Erzeugern muss der partnerschaftliche Dialog an die Stelle von Zwangsmaßnahmen treten. Denn die Gesetze des Marktes können weder durch Lieferboykotts noch durch Blockaden der Molkereiunternehmen außer Kraft gesetzt werden.

Überlegungen der Milcherzeugerverbände zur Einführung einer Quotensteuerung für die Anpassung der Anlieferungsmenge an den tatsächlichen Bedarf sind aus Sicht des VBPM nur dann umsetzbar, wenn die flexible Mengensteuerung von den Erzeugern mitgetragen und auf europäischer Ebene umgesetzt wird. Durch eine hohe Quotendisziplin, also die Einhaltung der eigenen Betriebsreferenz-menge, können die Milcherzeuger jetzt schon wesentlich dazu beitragen, dass ein geringeres Angebot an Milch entsteht. Somit würde der Abgabepreis zukünf-tig nicht mehr durch Übermengen negativ beeinflusst.

Eine weitere Forderung des BDM an die Molkereiunternehmen zielt darauf ab, die Einkommenssituation der Erzeuger durch die Erhöhung des Umrechnungs-faktors auf 1,03 statt wie bisher 1,02 zu verbessern. Die Umsetzung würde einer einseitigen nationalen Quotenkürzung gleichkommen. Der Ertrag bleibt aufgrund der tatsächlichen Inhaltsstoffe in der Milch und der daraus hergestellten Produkte gleich. Auch können aufgrund der vergleichsweise geringen Menge (in Deutsch-land ca. 1 % = 0,27 Mio. t) kaum positive Effekte auf den gesamten europäischen Milchmarkt (derzeit ca. 143 Mio. t) haben. Deshalb muss aus Sicht der Bayeri-schen Privaten Milchwirtschaft der tatsächliche Nutzen gegenüber dem Aufwand genau abgewogen werden.

Der Vorschlag, Marktentlastende nationale Maßnahmen über eine Umlage bei den Molkereien für jedes angelieferte kg Milch zu finanzieren, wurde in einem vom BDM und von den Molkereiverbänden in Auftrag gegebenen Gutachten ge-prüft. Das Ergebnis liegt allen beteiligten Verbänden bereits vor. Eine derartige Umlage scheint aus EU-rechtlichen Gründen nicht möglich. Es müssen Alternati-ven gesucht werden.

Gemeinsames Ziel muss es sein, im Schulterschluss zwischen Molkereiwirtschaft und Milcherzeugern die Herausforderungen des liberalisierten Milchmarktes, die für das Bundesland Bayern besonders groß sind, erfolgreich anzunehmen und zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten.

Der Verband der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft e. V. vertritt die Interessen der 42 Privatmolkereien in Bayern. Die Unternehmen beschäftigen insgesamt rund 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verarbeiten über 50 % der in Bayern angelieferten Milch.